Nun ja, da sind wir. Das ist also
Sondershausen. Ein Panzerregiment im Bestand der 11. mot. Schützendivision.
Meine 2 1/2 jährige Dienstzeit hier zu schildern würde wohl den Rahmen dieser
Homepage sprengen. Deshalb fasse ich mich kurz und erwähne nur die, für mich,
wichtigsten Ereignisse.
Mein erstes Fahrzeug im Regiment war der Zugführerpanzer des 1. Zuges der 8. Kompanie (481). Es war ja das erste mal das wir mit vollständiger Besatzung unterwegs waren. Es ist schon was anderes als "nur" mit Fahrschullehrer. Immerhin sind nun 4 Mann an Bord die sich die Köpfe anschlagen können wenn der Fahrer seinen Job nicht gut macht. Zum Glück hatte ich ne tolle Besatzung und so gab es nie Probleme auf dem Panzer.
Wir absolvierten so einige Schieß-und Fahrübungen und konnten uns dabei den Titel "Beste Buchwitzbesatzung" ergattern.


Nach einiger Zeit wurde ich dann in den Stab
des 3. Panzerbataillons versetzt. Hier fuhr ich dann den Bergepanzer. Turmnummer
weiß ich leider nicht mehr. Ehrlich gesagt, in der PK war es viel besser. Trotz
der wechselnden Ausbildung und der Übungen auf dem Taktikacker fühlte ich mich
in der "normalen" Kompanie viel wohler. Im Stab fühlte man sich ständig
beobachtet und kontrolliert. Auch der Umgang unter den einzelnen Dienstgraden
war im Stab nicht gerade der Beste. Jeder versuchte jeden zu übertreffen und
beim Batailloner gut dazustehen. Deshalb war ich auch nicht böse als ich nach
einem halben Jahr wieder in die Kompanie zurück versetzt wurde. Den Grund dafür
weiß ich nicht genau, aber ich könnte mir vorstellen das der damalige
Bataillonskommandeur erfahren hat das ich meinen Berufsoffizier zurück gezogen
habe.
Is ja auch egal, ich war wieder da wo ich hin wollte.
Wir wurden damals auch in der Volkswirtschaft
eingesetzt. Hach, war das ne tolle Zeit. Ne schöne Abwechslung zum
Soldatenalltag.
Ich sag nur "Grubenfusel". Jeder der dabei war weiß was das bedeutet :-). Dort
sind auch die beiden Bilder entstanden. Da steh ich mit einem Kameraden auf
einem dieser riesigen Abraumbagger.

Irgendwann 1987 war ich mit 3 weiteren Fahren
auf einem Übungsplatz (keine Ahnung wo). Unsere Panzer wurden für Schießübungen
anderer Kompanien benutzt. Da stand eines Tages ein Fotograf vor mir und machte
Bilder von mir in meinem Panzer. Ich wußte nicht was das zu bedeuten hatte. Der
Typ sagte auch nicht warum. Nach paar Tagen war ich dann wieder in der Kaserne
in Sondershausen und wunderte mich warum sich meine Kameraden über mich lustig
machten. Beim nächsten Rundgang durch die Kaserne erfuhr ich dann warum. Vorm
Regimentsstabsgebäude hing ein riesiges Foto von mir mit der Überschrift "Bester
Panzerfahrer des Regiments".
Das Bild so soooo doof aus, aber ich war stolz wie Oscar.
Von 95 Panzerfahrern war ich in diesem Moment der Beste. Das war schon was für
mich. Hab mich richtig gefreut darüber. Leider hab ich darüber keine Unterlagen,
aber die Kameraden von damals die das hier lesen werden sich bestimmt erinnern.
Das letzte Jahr meiner Dienstzeit verbrachte
ich dann als LG-Fahrer. Für alle die damit nichts anzufangen wissen eine kurze
Erklärung.
Der Bestand des Panzerregiments war größtenteils in den Fahrzeughallen
untergestellt. Voll aufmunitioniert und einsatzbereit. Einige wenige Panzer
waren für den ständigen Gebrauch. Ohne Munition dienten sie für Fahr-und
Taktikübungen für den Rest des Regiments. Über diese Panzer rutschte alles. Wir
nannten sie die "Regimentshuren". Andere fuhren damit und wir fest eingeteilten
Fahrer warteten und reparierten sie wieder.
Als LG-Fahrer hat dir keiner mehr was getan. Wir waren eine Einheit in der
Einheit. Den ganzen Tag im Gefechtspark, verschmiert und nach Diesel riechend,
teilten wir uns den Tag so ein wie wir wollten.
Unter dieser Vorraussetzung konnte man ruhig sein EK-Dasein fristen.
Die letzten 150 Tage rollten. Das Maßband wurde immer kürzer und der Platz auf der Sektflasche immer weniger.

Ich bin der 2. von rechts.
Und auch diese Tage vergingen und der Tag war da.
Entlassung aus dem aktiven Wehrdienst.
Damit endet ein Abschnitt in meinem Leben den ich sowohl genossen wie auch verflucht hab. Es gab Höhen und es gab Tiefen, aber aus heutiger Sicht bin ich froh dabei gewesen zu sein und vermisse diese Zeit etwas.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands ist manch ehemaliger NVA-Soldat in die
Reihen der Bundeswehr übernommen wurden. Dies erforderte mehrere Lehrgänge an
Bw- Einrichtungen. Die innere Führung, andere Partner, früher Waffenbrüder, eine
veränderte Militärstrategie und Hochgezüchtete Technik machten hier die
wesentlichen Unterschiede aus.
In Gesprächen mit ehemaligen Panzerbesatzungen der "Leoparden" zeigte sich, dass diese sehr störanfällig waren bzw. sind. Mir fallen da insbesondere die Feuerleitanlage und die Kurzlebigkeit des Motors ein.
Wir absolvierten unseren Dienst auf gepflegter, solider Technik, die erst gegen Ende der 80-er Jahre mit dem T 55 AM 2 modernisiert wurde. Es ist unumstritten so, dass wir einen sehr guten Ausbildungsstand hatten.
Mit der neuen Technik änderte sich für die Fahrer nicht viel, die Turmbesatzungen hatten mit einer Vielzahl von Sensoren eine schnellere und genauere Zielerfassung. Die Zeit der EWHT- Formel war damit fast vorbei. Wir wissen ja auch selber, was passiert, wenn bei modernster Technik mal etwas kaputt geht und die Elektronik versagt.